Zwei unabhängige Schlüsselquellen
VORQYN kombiniert ein vom Benutzer gewähltes Masterpasswort mit einem unabhängig erzeugten kryptografischen Secret Factor.
Der Secret Factor besteht aus 256 Bit Zufallsmaterial.
Er wird weder aus dem Masterpasswort noch aus einem Benutzernamen, einer E-Mail-Adresse oder einer Gerätekennung berechnet.
5.1 Erzeugung des Secret Factors
Der Rust-Core erzeugt 32 zufällige Bytes über die Betriebssystem-CSPRNG.
Eine dateibasierte Verwahrung verwendet das versionierte Format VQYFACT1.
| Bestandteil |
Größe |
Magic VQYFACT1 |
8 Byte |
| Formatversion |
2 Byte |
| Faktorlänge |
2 Byte |
| Zufälliger Secret Factor |
32 Byte |
| Gesamtgröße |
44 Byte |
Das Format wird beim Einlesen strikt validiert.
Falsche Dateigrößen, unbekannte Versionen und fehlerhafte Header werden abgelehnt.
5.2 Der Entsperrvorgang
Das Masterpasswort wird zunächst mit Argon2id verarbeitet.
Anschließend kombiniert ein zweckgebundener HKDF-Prozess das abgeleitete Passwortschlüsselmaterial mit dem unabhängigen Secret Factor.
Daraus entsteht der Unlock Key.
Vereinfacht:
MASTER PASSWORD SECRET FACTOR
| |
v |
Argon2id |
| |
+------------+------------+
|
v
HKDF-SHA-256
|
v
UNLOCK KEY
|
v
KEY ENVELOPE
|
v
LPRK
Die exakte Reihenfolge, Salt-Behandlung und Kodierung der einzelnen Ableitungsschritte gehören zum versionierten kryptografischen Formatvertrag.
5.3 Warum der Secret Factor wichtig ist
Ein Angreifer, der lediglich verschlüsselte Tresordaten stiehlt, besitzt nicht automatisch den unabhängigen Secret Factor.
Ein Angriff auf das Masterpasswort allein reicht unter diesen Voraussetzungen nicht aus, um den vorgesehenen Unlock Key zu rekonstruieren.
Der Factor verbessert damit insbesondere die Sicherheit gegen isolierten Tresordiebstahl.
5.4 Was der Secret Factor nicht schützt
Die Schutzwirkung hängt wesentlich von seiner Aufbewahrung ab.
Befindet sich der Faktor lokal unter denselben Benutzerrechten wie der Tresor, kann Malware mit Zugriff auf diesen Benutzerkontext möglicherweise beide Bestandteile erhalten.
Der Factor ist deshalb nicht automatisch ein vollwertiger zweiter Authentifizierungsfaktor gegenüber sämtlichen lokalen Angriffen.
VORQYN bezeichnet ihn als unabhängiges kryptografisches Schlüsselmaterial zur Verstärkung des Entsperrverfahrens.
5.5 Externe Aufbewahrung – Sicherheit gegen Wiederherstellbarkeit abwägen
Der Factor kann unabhängig vom Tresor aufbewahrt werden.
Beispiele sind ein getrennt verwahrtes USB-Speichermedium, ein zweites Gerät oder eine dafür geeignete Offline-Recovery-Darstellung.
Eine solche Trennung kann den Schutz gegenüber dem gleichzeitigen Diebstahl von Tresor und Schlüsselmaterial erhöhen.
Sie bringt jedoch einen wesentlichen Zielkonflikt mit sich.
Physisch getrennt aufbewahrt
Die Wahrscheinlichkeit eines gemeinsamen Diebstahls mit der Tresordatei kann sinken.
Dafür steigt die Bedeutung einer sorgfältigen Sicherung und Wiederherstellung.
Dauerhaft angeschlossen
Der Factor steht bequem zur Verfügung.
Malware mit den entsprechenden Benutzerrechten kann jedoch möglicherweise auf das angeschlossene Medium zugreifen.
Factor verloren
Existiert weder eine gültige Sicherung noch ein zuvor eingerichteter alternativer Entsperrweg, kann der Tresor trotz bekanntem Masterpasswort unzugänglich werden.
Vertraulichkeit und Wiederherstellbarkeit sind zwei eigenständige Sicherheitsanforderungen.
5.6 Die Grenze der Dateitrennung
Zwei getrennte Dateien stellen nicht automatisch zwei unabhängig geschützte Geheimnisse dar.
Beispielsweise können ein Tresorordner und die separat gespeicherte Factor-Datei beide innerhalb desselben synchronisierten Benutzerverzeichnisses liegen.
Ein Angreifer mit Zugriff auf dessen vollständigen Inhalt könnte dadurch beide Bestandteile erhalten.
VORQYN berücksichtigt deshalb nicht nur die logische Trennung, sondern auch die tatsächliche Verwahrung.
5.7 Keine Hersteller-Hintertür
Der Hersteller besitzt keinen universellen Schlüssel, mit dem verlorene Masterpasswörter oder Secret Factors einfach umgangen werden können.
Die Wiederherstellung benötigt vorhandenes gültiges Schlüsselmaterial oder einen zuvor eingerichteten autorisierten Recovery-Weg.